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Dillingen Die Aufführung von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ in der Dillingen Stadthalle fand viel Beachtung und löste teilweise Betroffenheit aus. Das letzte Werk Stefan Zweigs trägt teilweise autobiografische Züge. Den Siegeszug seines Werkes erlebte der Autor nicht mehr. Es wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt.
Zweig, der jüdischer Abstammung war, hatte 1934 vor der wachsenden Macht der Nationalsozialisten flüchtend seine österreichische Heimat verlassen und war zunächst nach England emigriert. Als England immer stärker in das Visier der Nazis geriet, siedelte nach Brasilien über, wo er sehr verehrt wurde. Vermutlich haben vor Brasilien operierende deutsche U-Boote in ihm ein Gefühl der Ausweglosigkeit geweckt und seine Depressionen so gesteigert, dass er den Freitod wählte.
Die Schachnovelle entwickelt sich an Bord eines Schiffes. Dr. Bertram war durch die Gestapo in Isolationshaft gehalten worden. Er hatte keinerlei Gesprächspartner, nur den Gefängniswärter, der jedoch nicht mit ihm redete. Um zu verhindern, dass er durchdreht, stiehlt er ein Buch, ein Schachbuch wie sich herausstellt. Aus Lebensmitteln formt er Schachfiguren und spielt alle verzeichneten Partien nach, immer wieder. Er lernt die Züge kennen, erkennt die Gründe für die Züge und kann schließlich sämtliche Partien auch ohne Figuren komplett spielen. Nachdem er alle Partien aus dem effeff beherrscht, beginnt er gegen sich selbst zu spielen, hat dabei gleichzeitig die weißen und die schwarzen Figuren, ist Gegner von sich selbst.
Dies und die Isolationsfolter trägt Früchte, Bertram dreht durch, gelangt in psychiatrische Behandlung, kommt am Ende frei – die Ärzte raten ihm jedoch dringend keine Schachfigur mehr anzurühren. Dr.Bertram reist nach Südamerika. Auf dem Schiff befindet sich auch der amtierende Schachweltmeister Czentovic. Dieser wird während der Reise von dem wohlhabenden Industriellen McConnor (Harry Täschner) zum Wettkampf herausgefordert. Dieser tritt an, jedoch nur unter der Auflage, dass alle Reiseteilnehmer gegen ihn antreten. Natürlich gewinnt der Weltmeister. In der folgenden Revanche tritt plötzlich Bertram in Erscheinung.
Seine brillanten Tipps führen dazu, dass der Weltmeister die zweite Partie nicht gewinnt. Sofort beginnt man Bertram zu bearbeiten, eine Partie gegen den Weltmeister zu spielen. Während dieser Gespräche berichtet Bertram von der Isolationsfolter. Diese Szenen werden dargestellt, Gerd Silberbauer glänzte in der Rolle des Dr. Bertram, der sich als Gefangener von anfänglicher Gelassenheit bis hin zum völligen Durchdrehen entwickelt. Mit großer Überzeugungskraft stellt Silberbauer den Häftling dar und lässt die Entwicklung seiner Psyche sehr engagiert deutlich werden.
Die Überredungskunst siegt schließlich, Bertram tritt gegen Weltmeister Czentovic (Daniel Pietzuch) an und gewinnt die erste Partie. Gegen alle Vernunft willigt er in eine Revanche ein. Czentovicz gelingt es, seinen Gegner zu provozieren. Bertram gerät wiederum an den Rand des Wahnsinns, gibt sich geschlagen und bricht die Partie ab. Seine Gegner haben ihn wieder erreicht.
Zwei Tage, nachdem er das Manuskript an seinem Verleger geschickt hatte, nahm sich Stefan Zweig in seinem brasilianischen Exil das Leben.