Festung Saarlouis entdecken und erleben

Saarlouis. Zahlreiche Besucher verfolgten mit großem Interesse einem Vortrag des Saarlouiser Stadtplaners Jürgen Baus zum Thema „Wiederentdeckung der Festung als identitätsstiftender Impuls für die Stadtentwicklung“ im Städtischen Museum.
„Im 20. Jahrhundert schenkte man den Festungsresten in Saarlouis nur wenig Beachtung“, Jürgen Baus, der sich seit dem Jahre 2000 unter anderem um die Festungsanlagen kümmert. Der fortschreitende Verfall des Vauban’schen Erbes führte zu einem umfassenden Sanierungsprogramm der Stadt Saarlouis
Vortrag Sanierung der Festung und zu einer Investition von mehr als 10 Millionen Euro für die Restaurierung der Festungsanlagen. In seinem jüngsten Vortrag befasste sich der verantwortliche Projektleiter , Dipl. Ing Jürgen Baus mit den Arbeiten rund um Kasematten, Hornwerk Vaubaninsel, und Ravelin V bzw. Bastion VI. Die mehr als 300 ausdrucksstarken Fotos zu dem Vortrag hat seine Mitarbeiterin Dipl.-Ing. Beate Geiger aus den städtischen Archiven zusammengetragen und teilweise auch selbst fotografiert.

Sanierung der Festung geht stetig voran

Die Kasematten wurden im Zuge der Erweiterung der Festungsanlagen in den Jahren 1824 bis 1829 von den Preußen im Bereich des Hauptwalles als bombensichere Verteidigungsanlagen gebaut. Die mit Erde bedeckten Gewölbe östlich der Deutschen Straße wurden in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts restauriert. Dann hielt die Gastronomie Einzug und verschaffte den Kasematten ihren Beinamen „Längste Theke des Saarlandes“. Die Vegetation auf dem Bach der Kasematten führte zu Undichtigkeiten, die eine aufwändiger Restaurierung in den Jahren 2003/2004 erforderlich machten, erklärte Jürgen Baus. Seither wird sorgfältig darauf geachtet, dass auf dem Dachgewölbe nur noch Gras wächst. Auf der anderen Saar-Seite, beim Gymnasium am Stadtgarten befindet sich das Hornwerk das seit 2001 stetig saniert und vom Grünbewuchs befreit wurde. „Allein im Bereich der Hornwerksmauer wurden Fugen in einer Länge von 3.000 Metern erneuert“, unterstrich der Stadtplaner. Der Festungsgraben vor dem Hornwerk wurde von Erdmassen befreit und ist jetzt wieder als prägender topografischer Einschnitt erkennbar. Im letzten Jahr fand hier im Rahmen der „1. Saarlouiser Festungstage“ eine Show mit 12 Friesenpferden statt, die auch in diesem Jahr wieder in Saarlouis zu Gast sind. Auf der anderen Seite des Hornwerks, fußläufig über eine Brücke zu erreichen, liegt die Vaubaninsel, von Ur-Saarlouisern auch gern „de halwe Mond“ genannt. Die Insel wurde 1689 als Flankenschutz für die Schleusenbrücke errichtet. Die Preußen fügten hier später eine Kasematte ein, welche 1968 zu einer Gaststätte umgebaut und bis in die 80er Jahre als Diskothek genutzt wurde. Im Rahmen des Konjunkturpaketes II und der damit verbundenen 75-Prozent-Förderung erfolgteVortrag Sanierung der Festung die Sanierung, die im Jahre 2012 abgeschlossen war. Heute finden in dem 400 Quadratmeter großen Haus Lesungen, Musikabende und Ausstellungen statt. Das Standesamt Saarlouis vollzieht dort auf Wunsch auch Eheschließungen.
„Von der Insel aus hat man einen guten Ausblick rüber zum Ravelin V, wo vor fast zwei Jahren eines der größten Sanierungsprojekte in Saarlouis in Angriff genommen wurde“, so Jürgen Baus. Hier entsteht ein öffentlich zugänglicher Park, der den Besuchern veranschaulichen wird, wie die Festung seinerzeit funktioniert hat. Treppenanlagen und Rampen sind bereits fertig und barrierefrei hergestellt. In weiteren Bauabschnitten erfolgt der umfangreiche Wiederaufbau der Bastion VI, die Restaurierung der Festungsmauern sowie die Gestaltung des früheren Waffenplatzes am Ravelin V. In der oberen preußischen Kasematte der Bastion VI ist mittlerweile eine kleine Ausstellung über das Sanierungsprojekt und die Geschichte der Stadt installiert. Die Baustelle am Ravelin V und der Ausstellungsraum können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. sb

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