Eindrucksvolle Gedenkstunde – Auch heute ist Zivilcourage erforderlich

Mit einer eindrucksvollen Gedenkstunde, die gemeinsam von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) und der Lothar-Kahn-Schule (LKS) in Rehlingen-Siersburg gestaltet wurde, erinnerte man in Dillingen an die Reichsprogromnacht, die vor genau 80 Jahren ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte schrieb. In die Gedenkstunde eingebunden waren Landtagspräsident Stephan Toscani, Bürgermeister Franz Josef Berg, der katholische Pfarrer Gerhard Jacob, der evangelische Pfarrer Martin Ufer, Rabbi Gerald Rosenberg sowie Schüler der LKS. Auch die Landtagsabgeordneten Petra Berg, Dagmar Heib und Raphael Schäfer nahmen an der Gedenkstunde teil. Der erste Abschnitt der Gedenkstunde fand dort statt, wo 1924 die jüdische Synagoge in Dillingen eingeweiht wurde, die 1938 während der Reichsprogramnacht Opfer brauner Horden wurde.0264 Heute steht hier ein Gedenkstein, der an diese Synagoge erinnert. Vor diesen Gedenkstein wurden 51 Kerzen entzündet, die an die 51 Menschen, Juden, erinnern sollten, die in Dillingen geboren sind oder längere Zeit gelebt haben und Opfer des Holocaust wurden. Landtagspräsident Toscani und Bürgermeister Franz Josef Berg legten einen Kranz nieder, Gertrud Schmidt von der Dillinger Stadtverwaltung verlas die 51 Namen.
Franz Josef Berg trug die Ereignisse jener Nacht im November 1938 eindrucksvoll vor und verdeutlichte sie mit Hilfe der Darstellung von Einzelschicksalen. Ereignisse dieser Art habe es nicht nur in großen Städte wie Berlin gegeben, sondern auch hier „mitten unter uns“. Diese Ereignisse seien schreckliche Bilder in der Geschichte der Stadt. Deshalb seien gerade in unseren Tagen das Wachhalten von Erinnerung und Zivilcourage von jedem einzelnen Bürger gefordert. Für Ausgrenzung und Fremdenhass dürfe es nie wieder Platz in unserer Gesellschaft geben.
0265Der zweite Teil der Gedenkstunde fand im Pfarrheim St. Maximin in Pachten statt. Musikalisch gestaltet wurde sie von Oranna Kasper und Thomas Bernardy. Mit dem Lied „Ein Foto“ von Herman van Veen eröffneten sie das Programm. Horst Ziegler von der KEB und Friedrich Müller von der LKS begrüßten die Gäste. Ein Film mit dem Titel „Wir erinnern für die Zukunft“, den 15 und 16jährige Schüler der LKS hergestellt hatten und die auf den Ereignissen um die Schändung des jüdischen Friedhofs im benachbarten französischen Waldwisse fußten, befasste sich mit der Frage wie dies geschehen konnte und wie man mittlerweile mit dem Thema Reichsprogromnacht in der Grenzregion umgeht.
Zu dem einem beachtenswerten Vortrag von Stephan Toscani mit dem Thema „Erinnern – warum und wozu“ leitet ein weiterer Liedvortrag von Oranna Kasper und Thomas Bernardy über. Sie trugen das 0270bereits 1931 von dem jüdischen Komponisten Friedrich Holländer mahnend verfasste „An allem sind die Juden schuld“ vor. Toscani schilderte die Entwicklung, die die Abstufung der Juden zu Menschen zweiter Klasse von den frühen 30 Jahren ausgehend darstellte. Ziel der Erinnerung müsse es sein, den Verfolgten jener Tage, die Würde wieder zu geben. Er erinnerte daran, dass Heinrich Mann bereits früh von der „Erziehung zur Unmenschlichkeit“ sprach. Mann habe damals bereits erkannt, dass die NS-Propaganda zur Diskriminierung und letztlich zur Verfolgung führen würde. Die Entwicklung habe gezeigt, dass die Zivilisation auf dünnem Boden stehe und dass die Demokratie auch heute nicht für alle Zeit gesichert sei. Deshalb dürfe man auch heute nicht wegschauen, wenn Menschenwürde angegriffen werde, sondern man müsse den 0272Versuchen mit Zivilcourage begegnen. Unser Rechtsstaat biete die richtigen Grundlagen, die es anzuwenden gelte. Ereignisse wie sie in dieser düsteren Zeit unserer Geschichte geschahen, dürfen sich nie mehr wiederholen, betonte der Landtagspräsident. Eine beispielhafte Einrichtung sei die Benennung von staatlichen Antisemitismusbeauftragten, auch im Saarland. Mit dem früheren Präsidenten des Saarländischen Verfassungsgerichtes, Prof. Roland Rixecker sei eine hervorragende Persönlichkeit für dieses Amt gefunden worden.
Nach einem weiteren Lied von Friedrich Holländer „Höchste Eisenbahn“ sprachen die Pfarrer Gerthard Jakob, Martin Ufer und Rabbi Gerald Rosenberg gemeinsam ein Gebet.

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