‚Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht‘

Das bekannte Stauffenberg Attentat fand vor 75 Jahren statt. Es war jetzt Anlass für eine Gedenkfeier am Geschwister Scholl Gymnasium in Lebach. Eröffnet wurde sie mit dem Sting Voices and PianoTitel „Fragile“ von dem Schulchor Voices and Piano (Leitung Stefanie Groß). Gemeinsam gestaltet wurde sie von dem Landeskommando Saarland und dem Geschwister Scholl Gymnasium. Das eigentliche Jahresdatum war der 20. Juli, der aber bekanntlich in die Ferien fiel. Für die Veranstaltung hatte Landtagspräsident Stephan Toscani die Schirmherrschaft übernommen, Umweltminister Reinhold Jost vertrat die Landesregierung. Unter den Gästen weilten zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens, darunter Landrat Patrik Lauer und Bürgermeister Klauspeter Brill. Vorbereitet wurde die Gedenkfeier von der Schul AG Erinnerungswelt, die auch große Schautafeln gestaltet hatte, die Ereignisse um das Attentat und seine Hintergründe aufzeigten. Schulleiterin Heidemarie Schwindling (L.) und Oberst Klaus Peter Schirra begrüßten die Gäste  Begrüßt wurden die Besucher durch die Leiterin des Geschwister Scholl Gymnasiums Lebach Oberstudiendirektorin Heidemarie Schwindling und durch den Kommandeur des Landeskommandos Saarland, Oberst Klaus Peter Schirra.

Die Schulleiterin sagte. „Was wir ganz sicher aus der Geschichte des Widerstandes und der Männer und Frauen im Widerstand mitnehmen können, ist das Vorbild von persönlichem Mut und persönlicher Integrität. Hinschauen, sich berühren lassen von dem Schicksal anderer ist eine Grundvoraussetzung für eine kritische Haltung und Widerstand. Das ist heute genau so wichtig wie damals.“ Oberst Schirra betonte: „Die moralische Dimension – der „Aufstand des Gewissens“ – des Attentats vom 20. Juli 1944 ist zeitlos und hochaktuell. Denn hier leuchtet ganz klar die geistige Fähigkeit des Menschen auf, Recht von Unrecht zu unterscheiden und in aller Konsequenz dem eigenen Gewissen zu folgen. Oder um es mit Bertolt Brecht als Leitmotiv für uns alle zu formulieren: ‚Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht‘.“

Felix Graf Hardenberg mit Informationen „aus erster Hand“

Unter den Gästen weilte auch Felix Graf von Hardenberg, der Großneffe von Carl-Hans Graf von Hardenberg, der zum engeren Kreis um Graf Stauffenberg gehört hatte. Graf Felix hat durch Gespräche mit und Schriftstücke von seiner Familie, mit der Tochter seines Großonkels, Reinhild viele Informationen „aus erster Hand“, die er in seiner ausführlichen Gedenkrede vermittelte. Er berichtete, sein Großonkel war ebenso wie viele Offiziere noch in der Kaiserzeit durch eine preußische Erziehung geprägt, zu der Pflichttreue, Ehrenhaftigkeit und Zuverlässigkeit zählten.
Die Bürger Deutschlands waren Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch die „Schmach des Versailler Vertrages“ ebenso geprägt wie durch die marode Weltwirtschaft. Dadurch hatte es die Gruppe um Adolf Hitler in dieser Zeit leicht Bevölkerung und auch Militär hinter sich zu vereinen. Die Soldaten wurden nach der „Machtergreifung“ durch Felix Graf Hardenberg gab Informationen aus Sicht der Familieden „Führereid“ auf Adolf Hitler verpflichtet und fühlten sich diesem Eid aufgrund ihrer preußischen Erziehung verpflichtet. Für seinen Großonkel Carl Hans gab es 1941 ein Schlüsselerlebnis, als er Zeuge eines Massakers an 7000 jüdischen Frauen, Kindern und Männern in der weißrussischen Stadt Borissow wurde. Obwohl er diesen Vorfall seinem Oberbefehlshaber meldete, wurde niemand zur Rechenschaft gezogen. Dieses Schlüsselerlebnis räumte bei ihm die letzten Hemmungen aus: er fühlte sich nicht mehr an den Führereid gebunden.
1942 schied er aus dem Frontdienst aus, und kehrte auf sein Gut nach Brandenburg zurück. So konnte er sich an dem aufkeimenden Widerstand beteiligen. Graf Felix von Hardenberg schilderte wie sich die Gruppe um Stauffenberg auf den Staatstreich entwickelte bis hin zum Attentat am 20. Juli 1944, das bekanntlich scheiterte. Hardenberg, der versucht hatte sich bei seiner Verhaftung das Leben zu nehmen, wurde schwerverletzt in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und sollte nach seinem Heilungsprozess vor das Kriegsgericht gestellt werden, wobei sein Todesurteil bereits von Hitler verfügt war. Das Kriegsende rettete ihm das Leben. So konnte er viele Details aus jener Zeit berichten.

Landtagspräsident Toscani appellierte an die SchülerLandtagspräsident Toacani: Engagiert euch

Schirmherr Stephan Toscani appellierte in seiner Ansprache an die Schülerinnen und Schüler: „Engagiert Euch für unsere rechtsstaatliche Demokratie. Lasst nicht zu, dass die Menschenwürde von Mitbürgerinnen und Mitbürgern verletzt wird, weil sie eine andere Hautfarbe haben, eine andere Religion, eine andere sexuelle Orientierung. Lasst den Hass und die Verrohung der Sprache nicht zu. Erinnert Euch daran, was in die dunkelsten Zeiten unserer deutschen Geschichte geführt hat und lernt daraus für die Zukunft. Denn es ist: Eure Demokratie. Euer Land. Eure Zukunft. Macht etwas daraus“!
Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier mit weiteren Beiträgen wie „Aprés un rêve“ von Gabriel Fauré, „Imagine“ von John Lennon und „Somewhere“ von LeonaLandtagspräsident Toscani und Bürgermeister Brill enthüllten die Skulpturrd Bernstein.

Skulptur “Im Widerstand” enthüllt
Am Ende der Gedenkstunde wurde ein besonderes Erinnerungstück auf der großen Wiese vor dem Geschwister-Scholl-Gymnasium von Landtagspräsident Stephan Toscani und Bürgermeister Klauspeter Brill enthüllt, gemeinsam mit Schulleiterin Heidemarie Schwindling und Oberst Schirra: die neue Die Skulptur, die  an den 20. Juli 1944 erinnert, ist enthülltSkulptur „Im Widerstand“. Sie ist gemeinsam von den Schülern unter der Leitung des Kunstlehrers Siegfried Feid entwickelt worden. Über das Porträtzeichnen sind am Ende auf die Silhouetten- und Schattenbilder von Sophie Scholl und Claus Schenk Graf von Stauffenberg entstanden, im Grunde eine logische Konsequenz. Schließlich war eine Schüleraussage „Wir sind doch alle Sophie“ gewissermaßen grundlegend, Stauffenberg ohnehin. Die monumentalen Skulpturen sind etwa drei Meter hoch, 1,50 Meter breit und wiegen rund 1,5 Tonnen. Als Material wurde wetterfester CorTen Stahl gewählt.

Skulptur "Im Widerstand"Kunstlehrer Feid erklärte den geladenen Gästen: „Die Anordnung der Skulpturen, sich zugewandt, verweisen einerseits auf ein gemeinsames Handeln und andererseits auf den Widerstand im Dritten Reich. Gemeinsam sind wir stark, ist somit die Botschaft, die als Zivilcourage des Einzelnen durch die Skulpturen zum Ausdruck kommt. Die Binnenform lädt ein, zwischen den Profilen hindurchzuschreiten und Teil dieses Momentes zu werden. Als Kunst im öffentlichen Raum außergewöhnlich monumental und durch die erkennbare Physiognomie ganz nah beim Betrachter. Beide Werke ergänzen sich in ihrer Botschaft als Mahnmal und vermitteln ein Zugehörigkeitsgefühl als zukunftsweisend und zeitlos für Freiheit.“

Die Einsegnung der Skulptur nahm Militärpfarrer Marius Merkelbach vor.

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