Gelingt der Strukturwandel in der Stahlindustrie?

Bei einer gut besuchten Podiumsdiskussion mit dem Vorstandsvorsitzenden von Saarstahl und von Dillinger, Tim Hartmann und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in der Dillinger Stadthalle und Dillinger, stand das Thema Lage der saarländischen Stahlindustrie auf der Tagesordnung. Bürgermeister Franz Josef Berg begrüßte bei der Eröffnung zahlreiche prominente Besucher wie die Sozialministerin Monika Bachmann, den4950 Podiumsdiskussion Dillinger Stadthalle Vizepräsidenten des saar-ländischen Landtages Günter Heinrich, die Landtags-abgeordneten Dagmar Heib, Raphael Schäfer und Marc Speicher sowie zahlreiche weitere Gäste. Bei seiner Begrüßung hob er die Bedeutung der Stahlindustrie für die Stadt Dillingen, aber auch für den Landkreis Saarlouis und das ganze Saarland hervor. Moderiert wurde die Diskussion von dem Wirtschaftsjournalisten Lothar Wollscheid.
Im Mittelpunkt stand die Frage „Wie kann der Strukturwandel in der Stahlindustrie gelingen“? Zu den bekannten Schwierigkeiten durch die Überschwemmungen des Marktes durch die Billigproduzenten in China und Russland, die sich nach der Einführung von Strafzöllen durch Donald Trump und seine Mannschaft weiter verstärkt hat, sind durch die Forderungen der Klimaaktivisten und den Emissionshandel weitere Ursachen hinzugekommen. Dadurch wird der Preis für den saarländischen und den deutschen Stahl so weit in die Höhe treiben, dass er praktisch unverkäuflich wird. Die weitergehenden Forderungen nach einer noch deutlicheren Reduzierung des CO 2 Ausstoßes werde die Stahlindustrie zum Erliegen bringen und damit alleine im Saarland über 20 000 Arbeitsplätze ersatzlos vernichten – dieses Menetekel steht im Raum.

Stahl auch in Zukunft unverzichtbar

Wirtschaftsminister Altmaier betonte das Stahl auch in Zukunft unverzichtbar sein wird, davon 4959 Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaiermüsse man auch die „Feinde des Stahls“ überzeugen. Vor allem gelte es die Länder, die selbst keine eigene Stahlindustrie haben, davon zu überzeugen, dass der qualitativ beste Stahl, der unter bereits jetzt hohen Umweltauflagen in Deutschland produziert werde, für den Klimaschutz hilfreicher sei, als der „schmutzige“ Stahl, der in Ländern ohne diese Auflagen produziert werde. Als ehemaliger Umweltminister sei er nicht gegen den Klimaschutz, aber alle Maßnahmen, die aus Schutzgründen ergriffen werden, würden letztendlich von der Mehrheit der Menschen nur akzeptiert, wenn ihre Arbeitsplätze und ein gesunder Wohlstand gewährleistet bleibe. Gleichzeitig müsse den Umweltverbänden und den Grünen noch stärker als bisher deutlich gemacht werden, dass nicht alle ihre Forderungen erfüllbar seien,
Die bevorstehende EU-Präsidentschaft möchte er dazu nutzen, die Handelsminister der EU nach Saarbrücken einzuladen um vor Ort die Bedeutung der Stahlindustrie für das Saarland deutlich zu machen und gleichzeitig zu demonstrieren wie man heute bereits „sauberen“ Stahl produzieren könne. Ebenfalls im Gespräch sei ein Kostenzuschlag auf den „schmutzig“ produzierten Stahl in außereuropäischen Ländern. Eine solche Entscheidung könne jedoch nur gemeinsam mit den anderen EU Ländern getroffen werden. Er sei allerdings guter Dinge, dass eine es noch in 2020 eine Reihe von Entscheidungen zum Vorteil der deutschen und europäischen Stahlindustrie geben werde.

 

Gas als Brückenenergie

Tim Hartmann sieht solche Aussagen mit einer gewissen Skepsis, denn „die Mühlen der EU 4966 Vorstandsvorsitzender Tim Hartmannmahlen langsam“. Die Stahlindustrie müsse aber baldmöglich langfristige Sicherheiten haben. Man sei bereit den Klimaschutz weiter voranzutreiben. Das Mittel der Wahl sei der Betrieb der Hochöfen mit Wasserstoff. Dafür seien aber neue Hochöfen erforderlich. Dies macht deutschlandweit eine Investitionssumme in Höhe von 30 Milliarden €uro erforderlich, davon 2 Milliarden im Saarland. Die Nutzung von Wasserstoff sei aber noch nicht so weit entwickelt, dass man kurzfristig, den Betrieb der Hochöfen auf Wasserstoff umstellen könne, hier sei noch Forschungsarbeit notwendig, frühestens in 10 Jahren könne man eine Umstellung vornehmen. Diese 10 Jahre müsse man als eine Art Brückenzeit nutzen, in der Erdgas zum Betrieb der Hochöfen genutzt werde. Erdgas ist eine sehr viel sauberer Brennstoff als Kokskohle, der CO 2 Ausstoß werde sich damit um ca 50 % verringern. Allerdings regten sich bei Grünen und Klimaaktivistinnen bereits Stimmen, die auch ein grundsätzliches Verbot von Erdgas forderten.
Die anstehenden Investitionen von 30 Milliarden seien machbar, wenn es entsprechende Zuschüsse bundes- und EU-weit gebe. Allerdings stellt sich ein anderes Problem; die Energiekosten vervielfachen sich. Die Umstellung auf gasbetriebene Hochöfen würde eine Verdopplung der Energiekosten nach sich ziehen, die nachfolgende Umstellung auf Wasserstoff eine Verfünffachung der Kosten. Zusammenfassend sagte Hartmann drei Wünsche an die Politik müssten erfüllt werden, damit die Stahlindustrie eine Zukunft habe: 1. Es ein Wettbewerbsrahmen soll geschaffen werden, der gleichrangige Bedingungen schafft, 2.Für die Errichtung einer CO 2 freien Stahlproduktion benötige man signikante Fördermittel und 3. eine wettbewerbsfähige Energie mit bezahlbaren Energiepreisen. Wichtig sei es allerdings, dass die Entscheidungen innerhalb der nächsten 15 M4970  Gut besuchte Podiumsdiekussiononate fallen, denn die Stahlindustrie müsse signifikante Investitions-Entscheidungen treffen, beispielsweise für den Bau neuer Hochöfen. Dabei müsse Klarheit herrschen, denn eine Fehlentscheidung würde das Aus bedeuten.
Peter Altmaier sagte, auch er sehe Gas als eine wichtige Brückentechnologie an. Er sei mit den fünf stahlerzeugenden Unternehmen in Deutschland im Gespräch und habe von dort positive Rückmeldungen. Nach dem Ausstieg aus der Atomkraft, der bei 2022 abgeschlossen sein wird und dem Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 könne nun nicht noch fast zeitgleich der Ausstieg aus dem Gas gefordert werden. Für die Investitionen der Stahlindustrie könne man europäische Förderprogramme nutzen. Auch Olaf Scholz sei gefordert.
Tim Hartmann bezeichnete nicht die Investitionskosten in Höhe von 30 Milliarden Euro als das Hauptproblem, sondern die Energiekosten. Hier müssten Entscheidungen getroffen werden, die Bestand haben. Wichtig sei es, dass in naher Zukunft konkrete Entscheidungen getroffen werden.

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