Die Würfel sind gefallen – die Royals steigen ab

Was sich schon längere Zeit abgezeichnet hat, ist eingetreten: die Royals Saarlouis werden in der nächsten Saison nicht mehr in der ersten Damen Bundesliga vertreten sein. Nachdem bereits im Vorjahr ein – sportlicher – Abstieg erfolgt war, der nur durch den Rückzug des Braunschweiger Teams vermieden worden ist, folgte in diesem Jahr auf Grund der obwaltenden Umstände nun endgültig der Abstieg in die zweite Liga. Gründe gibt es viele. Man hat sich wohl zu spät von dem Trainer der Vorsaison getrennt, der noch für die Kaderzusammensetzung in dieser Saison mitverantwortlich war. Dieser neu zusammengestellte bunt zusammen-gemischte Kader hat wohl den Ansprüchen der ersten Liga nicht genügt. Hinzu kamen eine nicht enden wollende Zahl von Verletzungen, die dazu führte, dass man immer wieder neue Spielerinnen verpflichtete, die auch nicht immer die beste Lösung darstellten. Durch den ständigen Wechsel und die Vielzahl der im Lauf der Saison hinzukommenden Spielerinnen, deren Qualität man möglicherweise falschLevke Brodersen eingeschätzt hat, war es quasi unmöglich ein eingespieltes Team zusammenzustellen. Dass es falsch war mit dem Trainer der Vorsaison, den man wohl aus humanitären Gründen weiter beschäftigt hat, weiterzuarbeiten, hat man relativ schnell gesehen und eine Konsequenz gezogen: man trennte sich von ihm und übertrug die Aufgabe an die Co-Trainerin Gabi Chnapkova, die allerdings noch keine Erfahrung als ´Trainerin einer Erstligamannschaft hatte. Erfolg stellte sich nicht ein, die Verletztenliste wuchs. So musste sich Gabi Chnapkova nach kurzer Zeit ebenfalls wieder auf ihre Funktion als Co-Trainerin zurückziehen. Statt dessen verpflichtet man jetzt Marc Hahnemann, der die Royals bereits nach der Trennung von Hermann Paar trainiert hat. Schon damals schrammte man allerdings nur knapp am Abstieg vorbei. Die Verpflichtung Hahnemanns war mit einigen dubiosen Ereignissen verbunden, die wohl damit verbunden waren, dass dieser Co Trainer der Trierer Gladiators war, einer Zweitliga Herren Mannschaft und sich durch eine Vertragsaufhebung von diesen getrennt hatte. Vermutlich aus juristischen Gründen wurde Hahnemann zumindest offiziell nicht als Trainer geführt, sondern zunächst als „Berater bei Spielerverpflichtungen“ vorgestellt. Als er dann offiziell Cheftrainer wurde war die Vorrunde vorbei, die Royals hatten gerade mal ein Spiel gewonnen – das ursprüngliche Ziel, vorne mitzuspielen und zumindest die Playoffs zu erreichen war schon in weite Ferne gerückt. Der frühere Erfolgstrainer der Royals, René Spandauw mit dem die Mannschaft zwei Mal deutscher Meister, dreimal Vizemeister und vier Mal Deutscher Pokalsieger geworden war, sagte einmal bei einem Besuch in Saarlouis, „Mir tut das Herz weh, wenn ich sehe, was sich hier entwickelt hat“.

Das Verletzungspech hielt an, auch unter dem neuen Trainer Marc Hahnemann gab es nur zwei Siege, so dass jetzt bereits zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde feststeht, dass die Royals, die einstige Erfolgsmannschaft, den Abstieg nicht mehr vermeiden kann. Bereits jetzt müssen sich die Verantwortlichen die Frage stellen, wie es weiter geht. Vorsitzender Paul Kast sagte „Wir müssen und wollen den sofortigen Wiederaufstieg angehen, es muss in der nächsten Saison einen Durchmarsch geben“. Dieses Ziel ist erreichbar, ohne Zweifel. Das haben die Royals ja schon einmal bewiesen, in der Spielzeit 2011/12. Aber damals blieb der Kader weitgehend zusammen, der Trainer war René Spandauw, der mit einem weitgehend eingespielten Team, das er noch verstärken konnte, den Durchmarsch schaffte. Wenn man den Durchmarsch schaffen will, muss man genau analysieren, woran es in der zurückliegenden Zeit lag, nicht nur in der Saison 2019/2020, sondern auch in den davor liegenden beiden Jahren. Man wird sicherlich auch die eine oder andere harte Entscheidung treffen müssen.

Noch einige Worte zum Spiel beim mit abstiegsbedrohten Marburg: Die Royals legten stark los, die Defense stimmte, die Angriffe liefen gekonnt, die Reuse wurde getroffen – im ersten Viertel, dass von dem Saarlouiser Team klar mit 22:13 gewonnen wurde. Doch bereits im zweiten Viertel kam Sand ins Getriebe, die Marburgerinnen kamen besser ins Spiel und gewannen dieses Viertel mit 16:15. Trotzdem hatten die Royals beim Pausenstand von 37:29 einen Vorsprung von acht Punkten. Doch wie so oft in dieser Saison besserte sich nach der Pause nichts mehr, im Gegenteil. Zwar konnten die Royals nach dem mit 14:16 verlorenen dritten Viertel immer noch einen Vorsprung von sechs Punkten verzeichnen. Aber dann kam wohl die Angst vor dem Sieg auf, nichts lief mehr, zahlreiche Fehler, unnötige Ballverluste und nur noch 9 Punkte, denen jetzt 21 Punkte der Marburgerinnen gegenüberstanden. Endstand also 66:60 für die Gastgeberinnen, die jubelten, denn sie hatten mit diesem Sieg wohl ihren Abstieg verhindert. Was bleibt, ist die Frage „warum haben es die Royals während der ganzen Saison nicht geschafft über vier Viertel die Konzentration und die Kondition hoch zu halten“? Beides ist trainierbar.

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