Dillinger Hütte und Saarstahl: Rückblick mit leuchtend roten Zahlen, aber verhalten positiver Ausblick

Die Jahrespressekonferenz der SHS wurde erstmals vom neuen Vorstandsvorsitzenden Dr. Karl-Ulrich KöhlerDr.Karl-Ulrich Köhler geleitet Sie fand coronakonform virtuell statt. Dr. Köhler betonte, das zurückliegende Geschäftsjahr 2020 sei ein weiteres schwieriges Jahr gewesen, von der Corona Pandemie geprägt und habe ebenso wie bereits 2019 deutliche Verluste mit sich gebracht. Dies sei in den beiden Geschäftsbereichen Dillinger Gruppe und Saarstahl Konzern identisch gewesen.

Beide Unternehmen befanden sich 2019 und zu Beginn des Jahres 2020 bereits in einem strukturell und konjunkturell schwierigen Umfeld unter anderem durch den weltweiten Protektionismus und den damit verbundenen Zöllen, durch hohe Überkapazitäten sowie durch Nachfragerückgänge in Kernabnehmersegmenten wie der Automobilindustrie, der Energiebranche und dem Maschinenbau. Die Corona-Pandemie hat die bestehende Krise massiv verstärkt.

Ein Einbruch der Nachfrage sei im Verlauf des Jahres zunächst bei Saarstahl und zeitversetzt bei Dillinger eingetreten. “Wir sind viele Monate in unserer Produktion auf Sicht gefahren – teilweise an den technisch möglichen Untergrenzen der Fahrweisen. Aufgrund der hohen Verluste beider Unternehmen im Geschäftsjahr 2020 hat sich der Umsetzungsdruck auf das rezessionsbedingte Kostensenkungsprogramm noch weiter verstärkt: Wir müssen die Umsetzung des Programms beschleunigen und den Turnaround schnell, effektiv und dauerhaft schaffen“, betonte Köhler.

Die Umsatzerlöse der Dillinger Gruppe sanken um 21,2 % auf 1,645 Mrd. € (Vorjahr: 2,087 Mrd. €). Die Investitionen in der Dillinger Gruppe betrugen 41,7 Mio. € (2019: 72,4 Mio. €). Beim Saarstahl-Konzern gingen die Umsatzerlöse um 23,7 % auf 1,684 Mrd. € (Vorjahr: 2,206 Mrd. €) zurück. Die Investitionen beliefen sich beim Saarstahl Konzern auf 61,6 Mio. € (2019: 105,2 Mio. €).

Der Umsatzrückgang bei Dillinger ist eine im Verlauf des Geschäftsjahres 2020 zunehmend schwache Nachfrage aus den Kern-Verbraucher-Segmenten wie dem Maschinenbau, Handel, oder Öl- und Gaspipeline-Bereichzu veezeichnen. Der Offshore-Windbereich lief dagegen zufriedenstellend. Eine Geschäftserholung ist bei Dillinger seit Beginn des Jahres 2021 festzustellen.

Bei Saarstahl ist die Nachfrage zusehends ab April 2020 eingebrochen und hat den Tiefpunkt im August erreicht – seit Herbst haben sich die Auftragseingänge deutlich erholt. Dies ist vor allem auf das Wiederanfahren der Produktion in der Automobilindustrie zurückzuführen. Im Verlauf des Jahres haben beide Unternehmen 2020 verstärkt auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgegriffen und konnten somit die Fahrweisen der Anlagen flexibel an die Auftragsdellen anpassen. Das ganze Jahr über wurde zudem ein konsequentes Pandemie-Krisenmanagement mit einer Vielzahl von Foto 2_Koksgaseindüsung_JPKMaßnahmen betrieben, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen.

Ein Großteil der von Saarstahl und Dillinger getätigten Investitionen, die insgesamt zurückgefahren wurden, betrafen Maßnahmen zur Verbesserung des Umweltschutzes und zur Reduzierung der CO2-Emissionen: zum Beispiel wurde mit der neuen Koksgaseindüsungs-anlage erstmals in Deutschland Wasserstoff als Reduktionsmittel im Regelbetrieb in den Hochöfen eingesetzt. In Betrieb genommen wurde zudem ein neuer Druckgasspeicher am Saarstahl-Standort Neunkirchen oder aktuell der neue Rundkühler mit Wärmerückgewinnung an der Sinteranlage der ROGESA Foto 1 _Koksgaseindüsung_JPKRoheisengesellschaft Saar (ROGESA) – einer gemeinsamen Tochter von Dillinger und Saarstahl – für eine Investitionssumme von 28 Mio. €.

Vertriebsvorstand Dr. Günter Luxenburger konstatierte massive Umsatzeinbrüche über weite Strecken des Coronajahres 2020 mit einem absoluten Tiefpunkt im August. Gegen das Jahresende sei es dann wieder aufwärts gegangen. Auch die Entwicklung zum Beginn dieses Jahres gebe Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die starken Einbußen habe man durch die gute Eigenkapitaldecke aufgefangen, dies sei aber keine dauerhafte Lösung.

Martin Baues, Technikvorstand bei Dillinger und Saarstahl, berichtete zeitweise habe man reine „Beschäftigungsaufträge“ angenommen, die zwar wenig Umsatz brachten, es aber ermöglichten die Werke im Laufen zu halten, denn einen Hochofen könnee man nicht einfach abschalten. „Insgesamt haben wir gespart, wo immer es möglich war“ erklärte Baues, „damit wir irgendwie aus der Krise kommen“.

Das ganze Jahr sei jedoch auch von massiven Sparmaßnahmen begleitet worden, zu den auch der bereit 2019 beschlossen Stellenabbau gehöre, die sozialverträglich erfolgt. Von den geplanten Personalreduzierung um 1.500 Mitarbeiter seien mittlerweile fast 900 ausgeschieden. Diese Sparmaßnahmen müssen beschleunigt fortgesetzt werden, aber in Zusammenarbeit mit den Personalvertretern, betonte Personalvorstand Jörg Disteldorf. Insgesamt waren bei der Dillinger Gruppe zum Jahresende 2020 exakt 6196 Mitarbeiter beschäftigt, bei Saarstahl waren es 5332 Mitarbeiter. Bei der Ausbildung von Nachwuchs (256 bei der Dillinger Gruppe und 253 bei Saarstahl) bleibe man allerdings konsequent und möchte diesen selbst ausbilden und auch behalten.

Zu den Sparmaßnahmen gehöre auch das „Outsourcing“ (Auslagern von Arbeitsplätzen an Fremdunternehmen). Dabei müsse man intensiver als früher die Belegschaft mitnehmen, betonte der Vorstandsvorsitzende. In einem Ausblick auf 2021 sagte er „Dillinger und Saarstahl sind mit einer spürbar besseren Auftragslage in das Jahr 2021 gestartet und gehen insgesamt von einer Erholung der Geschäftstätigkeit und einer besseren Ergebnissituation aus. Die Prognosen sind vorsichtig optimistisch und mit Unwägbarkeiten behaftet insbesondere bezüglich der Dauer der Erholung und der weiteren Folgen der andauernden Corona-Pandemie“.

Auch für die zukünftige Ausrichtung sei man bereit, betonte Dr. Köhler: „Dillinger und Saarstahl arbeiten strategisch weiter an dem Ziel einer CO2-neutralen Stahlerzeugung und sind technologisch bereit und fähig, die Lösungen hierfür zur Verfügung zu stellen. Die zur Dekarbonisierung notwendigen Investitionen sind allerdings nicht ohne weiteres zu stemmen und die Herstellung von CO2-neutralem Stahl zu wettbewerbsfähigen Konditionen ist bei der heutigen Kostenstruktur und den derzeitig vorhandenen Rahmenbedingungen nicht möglich. Bis der politische Rahmen für eine wirtschaftliche CO2-neutrale Herstellung steht, verfolgen Dillinger und Saarstahl eine verstärkte Minderungsstrategie. Dabei werden die Effizienzgrenzen bei der Dekarbonisierung auf der bestehenden Hochofenroute weiter ausgelotet und verbessert“.

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