Dicht vor der Sensation

Wasserburg siegte erst in der Verlängerung – Werbung für den Basketball

Saarlouis. Das zweite Spiel der Play Offs im Damen Basketball hätte nicht spannender sein können. Dramatik pur und Spannung bis zum letzten Augenblick erlebten die 1000 Zuschauer in der Saarlouiser Stadtgartenhalle bis der hohe Favorit aus Bayern in der Verlängerung mit 72:80 den zweiten Sieg in der PlayOff Serie einfuhr und somit mit 2:0 in Führung liegt. Am Mittwoch findet nunmehr in der Wasserburger BADRIA das dritte Spiel statt. Sollten die Bayerinnen auch dieses Spiel gewinnen, haben sie die Deutsche Meisterschaft erreicht. 1453Doch da haben die Damen der TV Royals Saarlouis, die am Sonntag Wasserburg bereits am Rande einer Niederlage hatten sehr viel dagegen: sie wollen in Wasserburg gewinnen und damit ein weiteres Spiel in der heimischen Stadtgartenhalle erzwingen. Doch gehen wir in der chronologischen Reihenfolge vor.
Im ersten Viertel dominierten die Gäste und beendeten es mit 11:22 Punkten. Aber es sollte das einzige Viertel in der regulären Spielzeit sein, das sie gewinnen konnten: die Royals gewannen die folgenden drei Viertel, allerdings nur knapp. Im zweiten Viertel behielten sie mit 21:19 die Oberhand, so dass die Seiten mit 32:41 gewechselt wurden. Auch das dritte Viertel ging mit 16:14 an die Gastgeberinnen, Stand jetzt 48:55.
Im letzten Viertel setzen die Spandauw Girls alles auf eine Karte. Kimmi Pohlmann und La‘Keisha Sutton verwandelten Dreier, in der 35. Minute gingen die Royals mit 58:57 in Führung, die sie auf 62:57 ausbauten. 1471Doch dann wirkte sich die Routine der Wasserburger Bank aus, in der sich neben den Toppspielerinnen noch eine ganze Reihe gleichwertiger Spielerinnen befinden. Geschickte taktische Fouls der Gäste wurden nicht geahndet, während Kayla Tetschlag und Stina Barnert nach jeweils fünf persönlichen Fouls kurz vor Ende der regulären Spielzeit das Spielfeld verlassen mussten. Die aus den Fouls resultierenden Freiwürfe verwandelte Wasserwurfs Topscorerin Emma Jean Cannon – deren persönliche Fouls nach Ansicht vieler zumeist ungeahndet blieben – sicher, Spielstand am Ende der regulären Spielzeit 63:63, unentschieden, das bedeutete Verlängerung! In diese Verlängerung mussten die Royals ohne Kayla Tetschlag und Stina Barnert gehen, damit waren die Chancen bereits minimiert. Dennoch kämpften die Saarlouiserinnen weiter, gingen zunächst auch mit 65:63 durch Kellindra Zackery in Führung,1464 konnten jeweils zum 67:67 und zum 69:69 ausgleichen, doch dann zogen die Wasserburgerinnen davon und siegten schließlich mit 72:80.
In der anschließenden Pressekonferenz äußerte sich Wasserburgs Trainer Bastian Werntahler sehr anerkennend über die Leistung des Saarlouiser Teams. Der zukünftige Damen-Nationaltrainer sagte „Heute hat das bessere Team verloren und das schwächere Team gewonnen. Saarlouis hätte es verdient, als Sieger vom Platz zu gehen. Wir haben in der Verlängerung auch deshalb gewonnen, weil in dieser Phase mit Stina Barnert und Kayla Tetschlag Saarlouis zwei Leistungsträgerinnen nicht mehr zur Verfügung standen“.
René Spandauw erklärte „Auf die Leistung meiner Mannschaft kann man nur stolz sein, sie hatte 1455die stärkste deutsche Mannschaft, die in dieser Saison noch keine Niederlage erlitten hat, am Rande einer Niederlage“. Besonders hob er die Leistung von Kimmi Pohlmann hervor, die sich in den zwei Jahren, die sie in Saarlouis sei, enorm entwickelt habe. „Eine Spielerin soweit zu entwickeln, dass sie nationalmannschaftsreif wird, ist einer der Gründe, aus denen ich coache“, sagte er. Auch die Leistung von Jamailah Adams verdiene Anerkennung, auch sie habe sich hervorragend entwickelt. Im übrigen habe die ganze Mannschaft Respekt für ihre Leistung verdient. Spiele dieser Güteklasse seien Werbung für den Basketballsport.
Topscorerin für Saarlouis war diesmal Kimmi Pohlmann mit 23 Punkten vor La’Keiska Sutton mit 15 Zählern und Kellindra Zackery  mit 12 Punkten. Für Wasserburg war Emma Jean Cannon mit 21 Punkten erfolgreichste Werferin.
Am Mittwoch steht nunmehr das dritte Spiel der PlayOffs an, bei dem die Royals die gleiche Leistung abrufen wollen, um mit einem Sieg ein weiteres Spiel in Saarlouis zu erzwingen.

Im Gespräch mit René Spandauw

Saarinfos: Herr Spandauw, Ihre Mannschaft hat heute eine Toppleistung vollbracht und hatte den Primus der Liga am Rande einer Niederlage. Glückwunsch dafür. Die Saison neigt sich dem Ende zu, es gibt Spekulationen um die Fortsetzung Ihrer Trainertätigkeit in Saarlouis. Was ist daran?
René Spandauw: Zunächst einmal: zuerst steht jetzt das nächste Spiel in Wasserburg an, das ich01-Sport-Royals-2-285x500 b mit meiner Mannschaft, auf deren Entwicklung ich sehr stolz bin, gewinnen möchte. Nach Abschluss der Spiele gelangen dann die Gespräche über die Fortsetzung meiner Tätigkeit in eine ernsthafte Phase. Zunächst möchte ich nur soviel sagen: Saarlouis ist meine Heimat geworden, ich würde sehr gerne hier bleiben.
Saarinfos: Sie gelten als einer der erfolgreichsten Trainer der Liga, was könnte gegen eine Fortsetzung Ihres Vertrages sprechen?
René Spandauw: Noch einmal, von meiner Seite aus nichts. Ich möchte lediglich ein ganz normales Gehalt beziehen, von dem ich leben kann. Irgendwelche Mondbeträge stehen nicht im Raum, viele Arbeitnehmer verdienen viel mehr Geld als ich. Ich arbeite 50 bis 55 Stunden pro Woche für die Royals, das ist selbstverständlich für mich.
Saarinfos: Mal ehrlich, gibt es andere Angebote?
René Spandauw: Ich habe Saarlouis nicht verlassen, als wir abgestiegen sind, sondern die Mannschaft nach nur einem Jahr wieder in die erste Liga zurückgeführt. Ein Jahr nach dem Wiederaufstieg spielen wir um die Deutsche Meisterschaft. Mit Stina Barnert und Levke Brodersen habe ich zwei Spielerinnen reif für die Nationalmannschaft gemacht. Kimmi Pohlmann steht kurz davor, Jamailah Adams ist in der niederländischen Nationalmannschaft ein Thema. Diese Dinge werden natürlich auch bei anderen Vereinen beobachtet. Mehr möchte ich dazu jetzt nicht sagen, sondern mich um das nächste Spiel gegen Wasserburg kümmern.
Saarinfos: Vielen Dank für das Gespräch, toi, toi, toi in Wasserburg und viel Erfolg bei den anschließenden Vertragsverhandlungen.

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