Das Verhalten ist leichtsinnig, ja sogar töricht – Bodo Ramelow möchte die Einschränkungen drastisch lockern

Offensichtlich setzt sich der Wettlauf im Lockern der Einschränkungen im Zusammenhang mit  der Corona – Pandemie fort. Vernünftiges Verhalten ist nicht mehr  das Maß der Dinge. Nun möchte offensichtlich Bodo Ramelow (Die Linke), thüringischer Ministerpräsident sich an die Spitze der Leichtfertigen setzen. Er hat angekündigt, dass er in seinem Bundesland am 06.06.2020 dem Ministerrat vorschlagen möchte, dass  Mund-Nasen-Schutz, Mindestabstände und Kontaktbeschränkungen nicht mehr durch Verbote geregelt werden, sondern den Bürgern in eigener Entscheidung überlassen bleiben.  Er erklärt, der Erfolg im Kampf gegen das Virus „zwingt uns zu realistischen Konsequenzen und zum Handeln“.
Das Virus bleibt jedoch nach übereinstimmender Ansicht vieler Virologen weiterhin unberechenbar. Deshalb ist dieser Satz leichtsinnig, ja sogar töricht. Wenn man auf Einkaufsmeilen, Supermärkte, Gaststätten, Gottesdienste und Familienfeiern schaut und die jüngsten Ereignisse in Frankfurt am Main und in Niedersachsen betrachtet, kann man „selbstverantwortetes Maßhalten“ kaum erkennen. Zu befürchten steht, dass sich der Regelverzicht vor allem auf die Kosten von Alten, Kranken und Schwachen auswirken wird. Darüberhinaus könnten steigende Infektionszahlen über Thüringen hinausgetragen werden, zu neuen Hot Spots führen und erneut harte Einschränkungen erforderlich machen.

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) teilt Ramelows Auffassung nicht und warnt vor zu schnellen Lockerungen. Der Zeitung Die Welt erkärte er. „Es ist weiterhin wichtig nüchtern, verantwortungsvoll und wissenschaftsgeleitet abzuwägen. Wir brauchen auch weiterhin staatlich vorgegebene Regeln, damit die Vorsichtsgebote eingehalten werden“. Auch die stellvertretende saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) teilt die Auffassung Ramelows nicht und befürchtet, dass bei einer Aufgabe der staatlichen Vorgaben neue Infektionen auftreten und härtere Einschränkungen erforderlich werden. Diese Auffassung teilt auch der SPD Gesundheitsexperte im Bundestag, Karl Lauterbach, der erklärte „Dieses Verhalten ist ein kapitaler Fehler. Damit stellt man alle Erfolge, die bis jetzt erzielt worden sind in Frage“. Auch zahlreiche Politiker in anderen Bundesländern bezeichnen das Verhalten als leichtfertig und gefährlich.

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