GESUNDHEITSTIPPS

Ähnlich wie in der Reihe Gesundheitsforum in unserem Printmagazin Saarinfos plus, möchten wir in Zukunft in unserem Onlinebereich eine Reihe Gesundheitstipps veröffentlichen, die auf der Erfahrung von Fachärzten unterschiedlicher Fachrichtungen beruhen. In der vorliegenden Ausgabe befasst sich Dr. Rainer Häge, Facharzt für Innere Krankheiten, mit dem Thema Erkältungen. Der eine oder andere Tipp mag Ihnen bekannt sein, aber der eine oder andere vielleicht auch nicht. Deshalb lesen Sie die Tipps, wenden Sie evtl. den einen oder anderen an und vor allem: Bleiben Sie gesund!

 

Kälte fördert Erkältungen

 

Eine „Erkältung“ (medizinisch: grippaler Infekt) wird meist durch Viren verursacht. Mittlerweile sind hiervon mehr als 200 Arten mit jeweils verschiedenen Unterarten bekannt. Diese warten nur darauf, sich zu verbreiten. Ein Nießer bietet ihnen dazu eine gute Möglichkeit. Hierbei fliegen tausende winzige Tröpfchen mit ca 150 km/Stunde durch die Luft. Wer auch nur wenige davon einatmet, muß mit einer Infektion rechnen. Man spricht deshalb auch von einer Tröpfcheninfektion. In geschlossenen, wenig belüfteten Räumen ist die Gefahr besonders groß. Handelt es sich bei dem Erreger um den häufigen Rhinovirus, besteht sogar noch eine weitere Infektionsquelle: eine Übertragung über die Hand. Es droht eine sog. Kontaktinfektion, wenn die virenbefallene Hand an der Nase reibt.
Mit der Kälte in der winterlichen Jahreszeit haben die Viren einen guten Helfer. Die niedrigen Temperaturen sorgen dafür, dass sich die Blutgefässe in der der Haut verengen. Das mindert die Durchblutung der Haut. Eigentlich eine sinnvolle Maßnahme des Körpers, um Energie zu sparen. Die dringend benötigte Wärme bleibt gespeichert und wird nicht verschwenderisch über die Haut nach außen abgegeben. Nachteil: mit der verminderten Durchblutung verlangsamt sich auch der Transport verschiedener Blutkörperchen (Makrophagen=aktive Fresszellen des Immunsystems), die dadurch mit erheblicher Verzögerung in die Schleimhäute der Atemwege gelangen, wo sie mit der Atemluft eintreffende Krankheitserreger abfangen. Die Schleimhäute, ohnehin durch die trockene Heizungsluft strapaziert, stehen den Viren also mehr oder weniger schutzlos gegenüber. Sie können sich in Nase und Rachen niederlassen und verursachen eine Entzündung. Die Folge sind Halsschmerzen und Schnupfen. Wenn es dem Immunsystem nicht gelingt, die Infektion vor Ort zu bekämpfen, breiten sich Krankheitserreger weiter aus und befallen die Bronchien.
Wenn die Nase läuft, ist das schon ziemlich lästig. Schlimmer wird es aber, wenn die Nasenschleimhaut anschwillt, das Sekret zäh und das Atmen durch die Nase unmöglich wird. Die Schleimhautschwellungen verschließen die engen Verbindungen zwischen Nasenhöhle und Nebenhöhlen, unterbrechen so den biologischen Selbstreinigungsprozess der Atemwege. Das schleimige Sekret kann nicht mehr abfließen, sodass sich eine Entzündung der Nebenhöhlen (Sinusitis) festsetzen kann. Dadurch entsteht ein Druck, der sich beim Vornüberneigen noch verstärkt: der Druckkopfschmerz.
Greifen die Erreger auf tiefer gelegene Abschnitte der Atmungsorgane über, entwickelt sich ein Husten. Er ist Ausdruck einer Entzündung der Schleimhäute der tiefen Atemwege (Bronchitis). Je länger er dauert, desto stärker werden die Schleimhäute geschädigt und umso größer ist die Gefahr, dass sich aus der akuten eine chronische Bronchitis entwickelt.

Tipps zur Stärkung des Immunsystems:

 

SPORT
Bei jeder sportlichen Belastung kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems. Schon 20 bis 30 Min. lockeres Training reichen aus, damit die Zahl der Abwehrzellen erheblich wächst. Für ein voll funktionsfähiges Immunsystem reicht ein leichtes Ausdauertraining – Joggen, Walken, Radfahren oder Nordic Walking.
Der Körper arbeitet dabei mit einem Trick: ihm wird eine leichte Erkältung vorgetäuscht. Er wird in Alarmbereitschaft versetzt und mobilisiert das Immunsystem. Mit einem Virus infizierte Zellen werden jetzt besonders schnell vernichtet. Zusätzlich werden weitere Immunzellen angeregt, Signalstoffe freizusetzen, um die Immunabwehr optimal zu steuern.
Wichtig: keine körperliche Betätigung bei akutem Infekt! Hier gilt: Ruhe und Wärme.

FRISCHE LUFT
Rauchen oder andere Luftverschmutzungen unserer Umwelt (Stäube, Abgase u.dergl.) sind oft die Auslöse einer chronischen Bronchitis. Neben dem sportlichen Effekt fördern häufige Spaziergänge in frischer Luft das Immunsystem.

SAUNA
Durch die eingeatmete heiße Luft werden die Schleimhäute besser durchblutet, die Sekretabsonderung läuft auf Hochtouren. Das wiederum kurbelt die Produktion körpereigener Abwehrstoffe gegen Bakterien und Viren an.
Wichtig: keine Sauna bei akutem Infekt – allenfalls kurzer Aufenthalt in der Wärme, jedoch keine Schwalldusche, Tauchbad in kaltem Wasser oder Aufenthalt in der Kälte. Anschließend Bettruhe.

LACHEN
Die wohl angenehmste Methode, sich vor einem Schupfen zu schützen, ist Lachen. Studien an der Stanford-Universität in Kalifornien haben gezeigt, dass herzhaftes Lachen das Immunsystem stärkt. Psyche und Immunsystem sind über komplizierte Schaltverbindungen miteinander verbunden. Lachen regt die Bildung der Antikörper Immunglobulin A an. Bei jedem herzhaften Lachen wächst auch die Zahl weiterer abwehrbereiter Zellen, der T-Lymphozyten. Außerdem verringert sich die Konzentration von Cortisol im Blut, einem Stresshormon, das die Abwehr schwächt.
Wenn der Mensch unter Stress steht, werden Stoffwechselvorgänge ausgelöst, die viele Vitalstoffe verbrauchen und so das Immunsystem schwächen. Wer regelmäßige Entspannungspausen einlegt, bei viel Stress autogenes Training oder Meditationstechniken erlernt, kann dem entgegenwirken.

WECHSELDUSCHEN
Heiß/kalte Wechselduschen trainieren die Temperaturregulation und führen zu einer besseren Durchblutung der Schleimhäute. So können Erreger gar nicht erst in den Körper eindringen.

FÜSSE WARM HALTEN
Bei kalten Füßen führt ein allgemeiner Gefäßreflex dazu, dass sich die Blutgefäße im ganzen Körper und so auch in der Nase zusammenziehen. Durch die so verminderte Durchblutung wird die Immunabwehr eingeschränkt und die stets in der Luft zirkulierenden Erkältungsviren können so in die Schleimhaut eindringen, sich vermehren und ausbreiten und so zu einer Infektion (Erkältungskrankheit, grippaler Infekt) führen.
Deshalb: Füße stets warm halten durch geeignete Strümpfe und Schuhe, evtl warme Fußbäder.

 

ERNÄHRUNG
Übergewicht reduzieren! Fettreiche Ernährung erhöht die Blutfettwerte und die Fettsäuren blockieren die Immunzellen. Täglich frisches Obst und Gemüse essen, wenn möglich auf insgesamt 5 Portionen ( 1 Portion=1 Händchen voll) kommen.
Ganz wichtig: viel trinken! Mindestens 1,5-2 Liter täglich. Bei Flüssigkeitsmangel verdickt sich das Blut, die Abwehrzellen gelangen nicht mehr schnell genug an ihren Einsatzort. Wasser, Fruchtsäfte und ungesüßte Kräutertees halten das Blut dünnflüssig.

MEDIKAMENTE
Ziel einer medikamentösen Behandlung bei einer Erkältung ist eine Besserung der Atembehinderung, eine Linderung von Husten und Auswurf sowie die Vermeidung eines erneuten Ausbruchs der Krankheit.
Hierzu eignen sich sehr gut pflanzliche Präparate (z.B. Angocin Anti Infekt, GeleMyrtol forte, Umckaloabo, ToxiLoges, Echinacin, Esberitox u. a.)
Ganz wichtig: das Mineral Zink. In der „Erkältungszeit“ am besten täglich nehmen (in jeder Apotheke rezeptfrei erhältlich)
Antibiotika kommen erst bei bakteriellen Superinfektionen infrage, die sich auf virale Infekte aufpfropfen. Hierbei unbedingt ärztlicher Rat einholen – eine Selbstmedikation könnte eher schaden als nutzen. Gefährlich sind auch Medikamente, die subjektive Krankheitssymptome unterdrücken, ohne die Ursache zu bekämpfen. So können Krankheiten verschleppt werden und zu gefährlichen Organschäden, z.B Herzentzündungen, führen. Lebensgefährlich ist eine sog. „übergangene Grippe“.
Sie kann zu lebensbedrohlicher Herzmuskelentzündung führen (es sind deswegen schon Fußballer auf dem Platz tot umgefallen!).
Die allerwichtigste Sofortmaßnahme bei einem beginnenden Infekt (ganz gleich welcher Art) ist strikte Ruhe und Wärme, also: früh ins Bett, gut ausschlafen, evtl Krankmeldung, keine Anstrengung, auch nicht Fernsehen, Videospiele, Lesen u.dergl.

                                                                                         Dr. med. Rainer Häge
                                                                                        
Facharzt für Innere Medizin

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