Immer mehr Diabetiker im Saarland

IKK Südwest befürchtet Anstieg während Corona

 – das zeigt eine aktuelle Auswertung der IKK Südwest unter ihren Versicherten anlässlich des Welt-Diabetes-Tages. Den stärksten Zuwachs, mit 44,3 % in nur vier Jahren, verzeichnet die Altersgruppe der 66-80-jährigen Saarländer*innen – dieser Anstieg liegt teils deutlich über dem in Rheinland-Pfalz und Hessen mit 10,99 % bzw. 34,79 %. IKK-Südwest-Vorstand Prof. Dr. Jörg Loth befürchtet, dass während der Corona-Pandemie die Zahl der Betroffenen auch bei den jüngeren Menschen weiter ansteigen kann. Gemeinsam mit Dr. Bettina Friesenhahn-Ochs vom Diabetes-Zentrum des Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg hat der Präventionsexperte die neusten Entwicklungen analysiert. „Jeder Vierte Versicherte der IKK Südwest über 66 leidet mittlerweile an Typ-2-Diabetes. Die aktuelle Erhebung bestätigt, dass in der Altersgruppe mit den eh schon meisten Betroffenen die Zahlen auch im Saarland jedes Jahr weiter stetig wachsen. Ohne wirkungsvolle Gegenmaßnahmen steuern wir auf Basis unserer Daten in allen Generationen aktuell darauf hin, jedes Jahr rund 4 % mehr Typ-2-Diabetiker*innen im Saarland zu diagnostizieren. Diesen Trend empfinde ich als besorgniserregend“, so Prof. Dr. Loth. Auch jüngere Saarländer stärker betroffen Zudem bestätigt das Saarland mit Blick auf die IKK-Südwest-Versicherten in Rheinland-Pfalz seine führende Position bei der Zunahme der relativen Neuerkrankungen, die im Vergleich bei insgesamt rund 17,8 % bzw. 10,6 % zwischen 2016 und 2019 liegen. Eine positive Entwicklung: beim Diabetes Typ 1 ist für die Bundesländer Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen ein leichter Rückgang festzustellen.

Diabetes – die Pest der Neuzeit

Die IKK Südwest konnte feststellen, dass Typ-2-Diabetes verstärkt bei ihren jüngeren Versicherten im Saarland diagnostiziert wird. Innerhalb von vier Jahren sind die entsprechenden Diagnosen bei den 26- bis 35-jährigen gleichmäßig um rund 7,55 % bei den weiblichen Versicherten und um etwa 7,45 % bei den männlichen Versicherten angestiegen. Bei einem Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede ist festzustellen, dass in den jüngeren Altersgruppen mehr Frauen eine Diabetes Typ 2 Erkrankung aufweisen, dies kann auf die erhöhte Prävalenz einer Schwangerschaftsdiabetes zurückzuführen sein. Deutlich mehr Männer im Saarland sind in der Altersgruppe der Versicherten ab 66 Jahren zu erkennen: rund 47,05 % mehr männliche Versicherte gibt es hier zwischen 2016 und 2019, rund 40,78 % mehr weibliche Versicherte. Gründe liegen unter anderem auch in der unterschiedlichen Fettverteilung der beiden Geschlechter. Dr. Bettina Friesenhahn-Ochs, Oberärztin am Diabetes-Zentrum des Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, kann diese und weitere Entwicklungen für die Pati-ent*innen des Uniklinikums bestätigen: „Diabetes ist ganz kräftig im Vormarsch. Man kann sagen, Diabetes ist die Pest der Neuzeit. Das Wachstum liegt zum einen an der immer stärker werdenden Reduktion des Aktivitätsgrades der Menschen. Die empfohlenen zweieinhalb Stunden Ausdauersport pro Woche schafft leider nur eine Minderheit. Zum anderen haben wir auch ein immer stärker werdendes Problem der Adipositas und der Übergewichtigkeit. Wir müssen feststellen, dass ein Viertel der deutschen Bevölkerung adipös oder übergewichtig ist. Diese beiden Faktoren lassen die Diabeteszahlen in die Höhe schnellen.“

Corona-Pandemie kann Ausbreitung von Diabetes begünstigen

Diesen Effekt sieht Loth durch die Pandemie weiter verstärkt. Er nimmt an, dass Bewegungsmangel und Übergewicht in der Bevölkerung im Verlauf der Corona-Pandemie zunehmen können – und damit auch das Risiko für einen Diabetes Typ 2 steigt. „Seit Wochen fallen Bewegungsangebote in Vereinen oder Sporteinrichtungen aus. Durch Kontaktbeschränkungen sinkt die Motivation zu mehr Bewegung und gesunder Ernährung.“ Außerdem meint er: „Ich sehe unser Gesundheitssystem in der Verantwortung, Risikopatient*innen und Betroffene jetzt noch stärker in den Blick zu nehmen und zu betreuen. Mittelfristig aber muss der Wert der Prävention und gesunden Lebensführung auch auf politischer Bühne noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, um Risikopatient*innen mit geeigneten Strategien stärker zu schützen. Und schließlich wissen wir noch nicht, inwieweit eine Infektion mit dem Corona-Virus Erkrankungen aus diesem Formenkreis noch begünstigt“. Konkret müssen durch eine Strategie, so Loth, auch die ambulanten und stationären Versorgungstrukturen im Saarland, aber auch die Selbsthilfe befähigt werden, ihre regionale Ausrichtung noch besser an die neusten Entwicklungen anpassen zu können. Hierbei seien insbesondere auch eine verpflichtende und damit intensivere Diabetes-Aufklärung im Arzt-Patienten-Gespräch aber auch verbindliche Standards in der Kinder- und Schulverpflegung notwendig.

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