Starke Teamleistung sorgte für Festtagsstimmung – bei Herne

TV Saarlouis Royals – Herner TC 56:89 (20:46)

Fast gespenstisch still war es in der Saarlouiser Stadtgartenhalle – und das nicht nur wegen Corona. Dort wo sonst Trommeln und Tröten die Gastgeberinnen begleiten, herrschte betretenes Schweigen bei den wenigen Offiziellen, die in der Halle waren. Die Gäste aus Herne hatten den Gastgeberinnen zeitweilig fast eine Lektion erteilt. Das Team des schon fast legendärem Cheftrainers Marek Piotrowski – er betreut das Team seit 19 Jahren vom Aufstieg aus der dritten Liga bis heute – kommt immer besser ins Rollen und zählt in dieser Form sicher zu den Titelfavoriten.

Doch zur Chronologie des Spiels. Im ersten Viertel ließen die Gäste einige leichte Punkte liegen, ohne dabei allerdings in Gefahr zu geraten. Mit 11:16 legten sie eine erste Grundlage. Ganz anders im zweiten Viertel. Besonders die beiden Amerikanerinnen überzeugten nicht nur durch sehenswerte Körbe, sondern auch durch exzellentes Zusammenspiel. Bereits in der 14. Minuten stand es 13:27. Doch darauf ruhte sich das Team aus Herne nicht aus, es ging weiter Schlag auf Schlag, richtiger Punkt um Punkt. Schnelles, modernes Basketballspiel, weite Pässe – dem nicht viel entgegengesetzt wurde. 9:30 war das Ergebnis des zweiten Viertels. Das Spiel stand zur Pause somit 20:46. Es war damit eigentlich entschieden.

Im Basketball ist vieles möglich, in diesem Spiel hatte man allerdings nicht den Eindruck, dass es noch gedreht werden könnte, zu dominant waren die Gäste. Es war nichDeutliche Heimniederlage der Saarlouiser Royals gegen den Herner TC: Klara Brichacova (gelb) im Duell mit der Hernerin Aerianna Harris (rot).t verwunderlich, dass sie es im zweiten Durchgang etwas ruhiger angehen ließen, aber trotzdem jeden Punktgewinn der Royals mit einem Treffer im Gegenzug beantworteten, so dass der Vorsprung permanent zwischen 25 und 30 Punkten pendelte. Die Hernerinnen fühlten sich so sicher, dass sie im letzten Viertel eine Reihe von Nachwuchsspielerinnen aufs Parkett schickten, darunter die 17jährige Jule Groll. Insgesamt konnte Marek Piotrowski es sich leisten allen zehn mitgereisten Spielerinnen eine fast gleiche Spielzeit zu geben und so fiel dann auch sein Urteil nach dem Spiel aus: „Das war eine rundum gelungene Veranstaltung“, sagte er, „wir waren in allen Belangen überlegen.“ Dies schlug sich nicht nur im Endergebnis nieder, das am Ende 89:56 für Herne lautete, sondern auch im Rebound Ergebnis, das mit  50:28 zugunsten des HTC die Stärke der Gäste anzeigte.

Erfolgreichste Punktelieferantin bei den Royals war Gabriela Andelova, die an diesem Tag sicher die augenfälligste Spielerin der Royals mit 16 Punkten. Bei den Hernerinnen lag Laura Zolper mit 19 Punkten vorne, wobei alle Hernerinnen gepunktet haben.

Deutliche Heimniederlage der Saarlouiser Royals gegen den Herner TC: Gabriela Andelova (vorne); hinten Linn Schuler (l) und Mandy Geniets (r)Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Saarlouiser Spielerinnen am Ende mit gesenkten Köpfen das Spielfeld verließen. Auf die Trainerbank, die seit kurzem durch Saulius Vadopalas ergänzt wird, kommt eine schwierige Aufgabe zu, denn der Kader ist nicht durch das Aussortieren von Johanna Prytz (SWE) und Ela Micunovic (SLO) ausgedünnt worden, zusätzlich hat Braydey Hodgins (USA) die Royals verlassen. Saulius Vadopalas war bereits als Nachfolger des in Saarlouis legendären René Spandauw für eine Saison als Trainer engagiert, wurde damals mit dem von Spandauw übernommenen Kader auch Vizemeister, erhielt aber keinen neuen Vertrag, weil seine deutschen Sprachkenntnisse nicht ausreichten und keine englischen Sprachkenntnisse vorhanden waren. Die Aufgabe für das Trainerteam ist auch deshalb schwierig, weil es Schlag auf Schlag weiter geht. Bereits am 27.12.2020 steht mit dem Nachholspiel in Halle ein Spiel auf dem Programm, das eigentlich gewonnen werden muss – das gleiche gilt allerdings auch für Halle. Drei Tage später kommt eine noch schwierigere Aufgabe auf die Royals zu: dann kommt der Tabellenführer Keltern nach Saarlouis. Die Fans, deren Anfeuerung den Royals sicher fehlt, müssen also beim Livestream kräftig Daumen drücken.

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