Palliativmedizin verständlich erklärt

Neue Vortragsreihe des Klinikums Merzig bei der CEB-Akademie gestartet

Merzig. Seit Jahren informiert das Klinikum Merzig in öffentlichen Vorträgen über wichtige Themen rund um die Gesundheit, bislang zumeist im alten Personalcasino des Krankenhauses. Um die hier während der Corona-Pandemie geltenden Zutritts-, Hygiene- und Abstandsregeln optimal einhalten zu können und somit bestmögliche Sorge für die Gesundheit der Besucher und Referenten zu tragen, findet die neue Vortragsreihe in der CEB-Akademie in Hilbringen statt. Ebenfalls neu: Alle Themen der insgesamt zehn Info-Abende werden von der CEB durch zusätzliche Vorträge ergänzt.
Überschreiben ist die Reihe mit „Prävention und medizinische Behandlung für und in der Region Merzig-Wadern“. Den Auftakt machte ein Vortrag über die Palliativstation des Klinikums, eine Einrichtung, die es bereits seit einigen Jahren in einem eigenen, gut ausgestatteten Gebäude am Krankenhaus gibt. Referenten waren Nicole Müller, Palliativmedizinerin und leitende Oberärztin sowie Florian Collmann, Pflegeleiter der Station. CEB-Vorsitzender Gisbert Eisenbart mit Stationsleiter Florian Collmann, Oberärztin Nicole Müller und dem stellvertretenden Verwaltungsdirektor des Klinikums, Christian Finkler (v.l.n.r.).

„Eine Einweisung auf unsere Palliativstation bedeutet nicht das Ende“, räumte Müller gleich zu Beginn mit einem diffusen Verständnis von Palliativmedizin auf. „Unsere Patienten sind zwar alle unheilbar krank. Es geht aber in erster Linie darum, ihnen eine bessere Lebensqualität zu verschaffen“, erläuterte die Ärztin. Hierbei spielt die Schmerztherapie eine große Rolle. Mitunter sind Patienten nur kurz da und können nach erfolgter Symptomlinderung wieder nach Hause entlassen und dort ambulant versorgt werden. Manche werden auch mehrmals aufgenommen, jeweils ganz wie ihre jeweilige Situation dies erfordert.
„Unheilbar krank“ bedeutet nicht unbedingt Krebs. Das können auch Erkrankungen der Lunge, des Herzens, Multiple Sklerose oder eine fortgeschrittene Demenz sein. „Unser Ziel ist es, Symptome wie beispielsweise schweres Erbrechen oder Atemnot zu lindern oder eine Schmerztherapie optimal einzustellen“, erläuterte Nicole Müller. Dabei arbeite man auch mit den anderen Abteilungen im Klinikum zusammen. „Wir verschenken keine Therapieoption“, betont Nicole Müller.

Die Palliativstation unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einer Normalstation. Beispielsweise werden die Patienten nur in Einzelzimmern untergebracht, teilweise gar mit Zugang zum Garten im Innenhof. Besuche sind jederzeit möglich. Angehörige können auf Wunsch mit im Zimmer übernachten. Die insgesamt zehn Zimmer sind mit Fernseher und Kochecke wohnlich ausgestattet. Auch die Personalausstattung kann sich sehen lassen: Drei Ärzte arbeiten hier, hinzu kommen 13 Pflegekräfte, Physiotherapeutin, Heilpraktikerin, eine spezialisierte Psychologin, Seelsorger, Musiktherapeuten und eine Sozialarbeiterin – ein multiprofessionelles Team.

Stationsleiter Florian Collmann ist es wichtig, eine wohnliche Atmosphäre für seine Patienten zu schaffen. Und vor allem Zeit für sie zu haben. Etwa um einfach nur miteinander zu reden. Oder um ihnen das ganz persönliche Lieblingsfrühstück zuzubereiten, wenn sie auf nichts Appetit haben. „Unsere Patienten sind in einer psychischen und physischen Ausnahmesituation“, weiß er. Der Patient entscheidet auch wann und wie er gepflegt werden will. Und welche Angebote aus der breiten Palette der Palliativstation er annehmen will.

Im Begleitprogramm zum Thema Palliativmedizin berichtet Heilpraktikerin Doris Maria Borowski am 30. September über „Therapeutic Touch“, eine heilsame Berührung für pflegende Angehörige. Am 1. Oktober informiert Sabine Strauch vom Merziger Seniorenbüro über die Patientenverfügung. Dann sind wieder die Mediziner aus dem Klinikum gefragt. Am 27. Oktober, 18 Uhr, spricht in der CEB-Akademie Oberarzt Joachim Bechtold über „Krankheiten der Kinder- und Jugendpsychiatrie“.

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